In den vergangenen 15 Jahren kam es in Slowenien zu zahlreichen tiefgreifenden Veränderungen. 1991 veränderte sich das politische System und es wurde ein unabhängiger Staat gebildet, 2004 trat Slowenien der EU bei. Dieser Wandel in der Gesellschaft muss auch in der Architektur seine Spuren hinterlassen haben. Unter diesem Aspekt können wir die Frage nach dem „Vorher“ und „Nachher“ nicht vermeiden. Was war also vorher? Man könnte sagen, es war nicht ganz so schlecht wie man sich das vielleicht vorstellt, vor allem in der Architektur. Der Sozialismus im alten Jugoslawien wollte eine neue Gesellschaft schaffen. Die Architektur spielte bei diesem Prozess eine wichtige Rolle. Neue Lebensweisen erforderten auch neue Siedlungen, Wohnungen, Häuser etc., und die sollten auf „moderne“ Art und Weise gebaut werden. Alte historische Architektur wurde als Symbol für die alte Zeit betrachtet, die es zu überwinden galt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte Stalin, dass die offizielle sozialistische Kunst, der so genannte Realsoz (*), die westlichen Ideals hinwegschwemmen sollte, und damit ging eine Hinwendung zur klassischen Monumentalität einher. 1948 aber wandte sich der jugoslawische Präsident Tito von seinem mächtigen sowjetischen „Vater“ ab und von einem Tag auf den anderen wurden die russischen Einflüsse verbannt. Diese Situation diente einer jüngeren Architektengeneration als Vorwand für ihre moderne Architektur. Auch westliche Einflüsse waren politisch unkorrekt, und so nahm man mit Ländern Kontakt auf, die sich im Zweiten Weltkrieg neutral verhalten hatten: mit der Schweiz und mit Skandinavien, wo in der Nachkriegszeit die fortschrittlichste Architektur gebaut wurde. Die Zeit zwischen 1950 und 1970 war für die Architektur in Slowenien insofern günstig, weil die Architekten die offizielle Aufgabe hatten, ein neues Land aufzubauen; sie waren damit in einer Position, von der man heute nur träumen kann.
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Joze Plecnik: National- und Universitätsbibliothek in Ljubljana, 1936-1941. Foto: Damjan Prelovsek
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