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Gabriel Loidolt

Vor kurzem habe ich das Romanprojekt IREZUMI (Arbeitstitel) abgeschlossen:

Eine junge Frau aus Sibirien sucht einen Tätowiermeister in Zentraleuropa auf, um sich ein Irezumi (eine Rückentätowierung) mit ungewöhnlichem Motiv stechen zu lassen. Die Vorlage, ein Vexierbild, wie sich am Ende herausstellt, gibt sie nur stückweise preis. Der schweigsame Mann, der seine Kunst in Japan erlernte, hat ein verbranntes Gesicht, das ihn zur Einsamkeit verdammt, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint und wegen dem er fast einmal zum Mörder geworden wäre.
Die Frau bringt ihn nach einigen schmerzhaften Sitzungen so weit, seine Geschichte zu erzählen - im Gegenzug erzählt sie ihre. Doch der Mann umgeht die letzte Wahrheit geschickt, bis die Frau, die ebenfalls etwas aus Scham zu verbergen sucht, das Geheimnis des vor 31 Jahren verwüsteten Gesichts intuitiv erfasst und ausspricht: Das führt zu einer Katastrophe, bei der Schuld und Sühne jedoch ins Bedeutungslose fallen - zur Erlösung beider.
Der Roman erscheint entweder zur Frankfurter Buchmesse 2008 oder zur Leipziger Buchmesse 2009 bei dtv als Erstausgabe der grafisch neuen Reihe GESCHENKAUSGABE in französischer Broschüre (Umfang: ca. 160 Seiten, Preis: ca. 10 €).
Einen weiteren Roman (Umfang: ca. 220 Seiten) habe ich fast abgeschlossen. Auch dieser wird voraussichtlich bei dtv erscheinen: DAS GEHEIMNIS DES KIRSCHBLÜTENBILDES - eine Geschichte, in der ein alter Kunstsammler aus Nagasaki, ein todgeweihter in Japan stigmatisierter Hibakusha (‚Atombombenmensch'), eine österreichische Künstlerin auf ihrem verschneiten Berg aufsucht, um ihr ein schlichtes Bild abzukaufen, das sie aus Geldnot und Jux um 100 000 Euro im Internet zum Verkauf angeboten hat - der ehemalige Sumo-Ringer bringt ein Gastgeschenk aus Nagasaki mit, dass die junge Frau in Ohnmacht fällt, nicht bloß, weil dabei die konträre westliche und östliche Kunstauffassung auf grausame Weise aufeinanderprallen.

Ein drittes Projekt nimmt Loidolt demnächst in Angriff: DAS SCHÖNSTE LÄCHELN DER WELT. Darüber möchte der Autor aber noch nichts Konkretes verraten.

Alle drei ‚japanischen Romane', wie der Autor sie selbst nennt - Japan ist mehr eine Sehweise als ein Ort - folgen einer bestimmten formal-ästhetischen Linie, von der Kapiteleinteilung bis zum Satz, ja zum einzelnen Wort, und erinnern an die Kunst japanischer Kalligraphen, bei der Bild und Wort eine untrennbare Einheit bilden und fast immer auf mehrere Arten lesbar sind. Die drei ‚japanischen Romane' des Autors haben vielleicht nichts miteinander zu tun: Ob doch, werden Kritiker und Leser noch feststellen können.

Gabriel Loidolt, geboren am 4. Oktober 1953 in Eibiswald (Steiermark), aufgewachsen hauptsächlich in Graz, studierte Elektrotechnik und Philologie (Promotion 1986). Nach mehreren Jahren als Universitätslektor im Ausland arbeitete er bei verschiedenen Kulturvereinen in Graz, wo er sich (öfters mit Bogdan Grbic von der Grazer Filmwerkstatt) als Übersetzer und Mitherausgeber verschiedener Publikationen in Sachen osteuropäischer und asiatischer Filmkunst beschäftigte (z. B. DIE SIEBTE KUNST AUF DEM PULVERFASS). Darüber hinaus interviewte er etliche Schauspieler für das mittlerweile eingestellte Filmmagazin blimp - u. a. die Hollywood-Legende Leon Askin (Externe Verknüpfung Leon Askin - Wikipedia) der in der US-Kultserie HOGANS HEROES (dt.: EIN KÄFIG VOLLER HELDEN) als ‚General Burkhalter' längst weltberühmt war.

Loidolt schrieb Romane und Literaturkritiken für den Wiener Standard und arbeitete zuletzt als freier Werbetexter. Er las wiederholt in Österreich, Deutschland, Kroatien, Frankreich und Kanada - die ersten drei Romane Loidolts sind auch bei Gallimard und L'esprit des péninsules in Frankreich erschienen - Die IRISCHE GELIEBTE (Reclam Leipzig 2005) wird noch folgen.

Loidolts Roman HURENSOHN (Berlin: Fest 1998), der ein sehr großes Medienecho im deutschen Feuilleton auslöste, wurde von Regisseur Michael Sturminger (Externe Verknüpfung Michael Sturminger - Wikipedia) für das Kino verfilmt, kam 2003 in die österreichischen, 2004 in deutschen Kinos, wurde international mehrfach ausgezeichnet und lief auf zahlreichen Filmfestivals von New York bis Rio de Janeiro. (Es gibt eine DVD des Films für den US-Markt, aber keine für den deutschen)

Loidolt, der die Mode in der Literatur für die größte Hure hält, geht unbeirrt seiner Wege, schreibt aber dennoch auf seine unverwechselbare Art stets am Puls des Lebens, wie er auch in seinem letzten Erzählband BEGEGNUNG UM MITTERNACHT. 10 GESCHICHTEN ÜBER DIE LIEBE (Leykam 2006) bewiesen hat.

Die Antwort Gabriel Loidolts auf die immer schneller wechselnden Trends der deutschsprachigen Literatur ist seine Arbeit als Gegenentwurf, weiß er doch sehr gut, dass Fels und Meer viel länger leben als Wolken und Wind. So ist sein Leitfaden auch eine Weisheit aus dem HAGAKURE (= Hinter den Blättern):

„Kümmere Dich nicht um den Regen - der Regen kümmert sich auch nicht um Dich."


Weiterführende Links:
Externe Verknüpfung Der Film Hurensohn
Externe Verknüpfung Gabriel Loidolt im Gespräch




Gabriel Loidolt
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