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Michael Wallner
Text von Georg Petz

Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren und lebt in Berlin und Italien. Er hat als Regisseur und Schauspieler gearbeitet und war auch literarisch tätig. 2000 erschien der Roman „Cliehms Begabung" und 2003 „Finale". „April in Paris" erschien 2006 und wurde vom Publikum mit großem Erfolg aufgenommen.

Der Roman erzählt die Geschichte des jungen Deutschen Roth, der als Übersetzer ins besetzte Paris von 1943 geschickt wird. Tagsüber arbeitet er für die Geheimpolizei, nachts mischt sich der frankophile Roth als Franzose verkleidet, in Zivil, unter die Bevölkerung. In seine spielerischen Heimlichkeiten kommt rasch ein tödlicher Ernst, als er sich in die junge Französin Chantal verliebt, die sich für die Résistance engagiert.

Roth sieht sich damit unvermittelt im Minenfeld zwischen Landesverrat und dem Verrat an seiner Liebe ausgesetzt, und um diese Mesalliance entspinnt sich in der Folge der weitere Roman.

Eine märchenhafte Gestalt, ein Fabelwesen vergleichbar den Figuren aus den Büchern ihres Vaters - er ist Buchhändler - ist jene Chantal, und das Märchenhafte, das mit ihr in Michael Wallners Buch einzieht, will bis zuletzt nicht mehr recht davon ablassen. Während Mensch und Menschlichkeit in sieben Kriegsjahren allmählich in die Brüche gehen, bleibt als fabelhaft Tröstliches, dass dies die Welt von 1942 wenigstens in Wallners Literatur nicht in demselben Ausmaß tut. Hier darf die Wirklichkeit so plan und so intakt bleiben wie zuvor, und wenn schon der Krieg als das temporal setting nicht in Ordnung ist, so ist es wenigstens der Rest: die Bayern sind hier noch Spezis und dick und blond und verschwitzt, die Schuhe der Wehrmacht sind immer poliert, die schlimmsten Sadisten in der SS sind immer Österreicher und in Paris lässt es sich für seine Besatzer immer noch nach Herzenslust saufen und herumhuren.

In diesem Sinn ist Wallners aprillauniges Paris allem Unbill des Krieges zum Trotz ein Hort des Rückzugs und der simplen Weltanschauung - oder es hat sich wenigstens in der Erinnerung der Nachgeborenen - verdienterweise oder nicht - fabelhaft dazu gewandelt.

So bleibt - wenigstens für mich - als der Protagonist des Romans, als seine zentrale dramata persona der Krieg selbst, der immer wieder als eine Randabdunklung in die Stadt eindringt, von den Kriegsschauplätzen im Osten bis zu den Bunkern und Gräben am Atlantikwall. Der seinen Schatten auch auf die beiden Liebenden wirft, in Anschlägen und Folter und am Ende in der Trennung, die allen Liebenden der Tod ist. Dieser jedoch - und das beruhigt an Wallners Roman mit seinen gelungenen Beschreibungen von dunklen Höfen und menschenleeren Straßenzügen in demselben Ausmaß, wie es uns zugleich beunruhigen muss - seine Leere, sein Schrecken bleiben unsagbar und damit zuletzt weder durch die Kunst der Fabel noch durch die Fabulierkunst fassbar.




Michael Wallner
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Michael Wallner



Kurzbiografie Michael Wallner

Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er lebt in Berlin und Italien, hat als Schauspieler und Regisseur gearbeitet. Von ihm sind u. a. die Romane "Cliehms Begabung" (2000) und "Finale" (2003) erschienen. "April in Paris" ist sein erstes Buch im Luchterhand Literaturverlag."

Zitat aus „April in Paris":
Dummes Geschwätz, dass Gefolterte sich an gleichbleibende Methoden gewöhnten; Schmerz war nicht trainierbar.


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