Das Leben offeriert uns nicht immer diesen Pegel an Lautstärke, Grellheit und Geschwindigkeit, wie wir zu meinen glauben, wie uns auch von allem Seiten eingeredet wird: das Leben ist bisweilen stiller, spielt sich an Rändern ab, in dem kleinen japanischen Blumenladen etwa (in der ersten Geschichte des Buches), hinter Jalousien, in Wohnungen...
Ich könnte dieses Buch immer wieder lesen, Jahr für Jahr einpacken in meine große rote Tasche.
Wenn ich im Zug sitze.
Auf einer Bank im Park.
Im Kaffeehaus.
Das sind Geschichten voll Witz; sie sind ebenso geistreich wie unprätentiös.
Die Protagonisten, die sich ihrer Schwächen, ihrer Sehnsüchte und Begierden auch bewusst sind, halten damit auch nicht hintan; sie signalisieren ihr Dilemma bisweilen in aller Deutlichkeit und artikulieren sich so, dass ich mich als Leserin auf ihre Gefühlssphäre einlassen kann. Mitunter wirken sie hilflos, scheu und unbeholfen.
Das ist das Sympathische an diesem Buch:
Die Sprache ist von großer Sensibilität, aus einer erkennbaren Achtsamkeit heraus geschrieben. Kleinste, schräge, ungewöhnliche Alltagssequenzen tauchen da auf.
Dann wieder philosophische Exkurse, Aussagen über die menschliche Existenz schlechthin. An diesen Stellen ist der sprachliche Duktus dann auch ein gänzlich anderer: Ernster, tiefer, akzentuierter; während das Buch in weiten Teilen humorvoll und zart wirkt.
Diese Leichtigkeit wiederum basiert auf großer Gründlichkeit, auf einer konzisen Wahrnehmung.
Die erotischen Annäherungen, die in dem Buch durchaus zahlreich vorkommen, erfolgen stets aus einem „anderen", kippenden Blickwinkel heraus. Als wären sie, zumindest manchmal, mit einem Augenzwinkern geschrieben worden. Spannend sind diese „Geschichten über die Liebe" zudem.
Ich finde das Buch gleichermaßen unterhaltsam wie ernst, ein Ernst jedoch, der seine Grenzen aufzuweichen imstande ist, und an seinen Ausläufern dann entstehen jene kleinsten, schrägen und geheimnisvollen Begebenheiten, die das Leben ausmachen.
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Gabriel Loidolt
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