Unlängst antwortete mir der Dichter, den ich im Vorjahr hier vorzustellen die Ehre hatte, auf die Frage, was ich denn über Andrea Sailer erzählen solle, wenn ich sie doch gar nicht kenne, dass er zur Textimmanenz erzogen worden sei. Nachdem ich meine Meinung von der Literaturwissenschaft als unsägliche Gehirnwichserei in Gedanken nochmal bekräftigt hatte, griff ich zum Telefon und rief Frau Sailer an. Man erzählte sich ja allerlei Schrulliges von ihr, angeblich wohne sie auf einem Bauernhof irgendwo im Nichts, wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht küssen und sei im Besitz diverser Katzen und ungezählter Meerschweinchen. Angeblich hat sie nicht einmal einen PC.
Das muss man sich einmal vorstellen!
Telefon hat sie aber offensichtlich und an selbigen erwische ich sie. Wir plaudern ganz kurz und sie klingt ganz symphatisch. Aber ohne PC?
Das heißt, sie schreibt mit der Hand und mit der Schreibmaschine, das bedeutet vielleicht, das sie viel überlegter schreibt als unsereiner: in die Tastatur rotzende Autoren, die stundenlang rumkorrigieren, weil es halt so einfach geht mit copy, paste und delete. Vielleicht sind ihre Gedichte deshalb so wohlüberlegt und verhalten pointiert, denk ich mir, aber wenn sie keinen PC hat, hat sie auch kein Internet, und Emails kann sie auch keine empfangen. Und das finde ich nun schon sehr schräg, aber es bedeutet auch, dass sie täglich ungefähr fünf Minuten Mehr-Schreib-Zeit hat, die wir Anderen mit dem Vernichten von Enlargen-your-penis-spam-mails zubringen. In fünfundzwanzig Minuten schreibt Andrea Sailer vielleicht schon wieder ein halbertes Gedicht.
Andrea Sailer. Ist vielleicht ein bisschen schrullig, muss aber auch sehr vernünftig sein.
Über die Gedichte bilden Sie sich bitte selbst eine Meinung. Vielleicht textimmanent.
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Andrea Sailer
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