Mittwoch, 15. November 2006, 20:00 Uhr
Orpheum Graz/Kleiner Saal
Inszenierung,
Bühne: Gerhard Fresacher
Kostüme:
Petra Pfleger
Licht:
Manfred Kratochwill
Musik:
Richard Klammer
Video: Heli
Sommer
Dramaturgie:
Walter Grill
Produktionsleitung:
Gottfried Lehner
Es spielen:
Magdalena Kropiunig, Aloisia Maschat, Oliver Vollmann, Michael Wrummnig, Christian
Kainradl, Hannes Fretzer, Gerhard Lehner
Es zaubert:
Randy Slick
das fleisch muss abhängen
Josef Winkler, in klagenfurt und varanasi lebend, hat in seinem
buch „leichnam, seine familie belauernd“ prosaminiaturen von beklemmender existenzbetroffenheit
und wahnwitzigem provinzweltgelächter geschaffen: geschichten über liebe und
tod, kindheit und jugend; geschichten und beobachtungen von seinen aufenthalten
in rom, biel, duisburg, wien, berlin, indien; über die gegenwart in seinem
heimatland kärnten, über lesen und schreiben, über seinen umgang mit angst um
sprache und sprachlosigkeit – gern auch ironisch, sarkastisch, leidenschaftlich
und selbstentblößend.
das klagenfurter ensemble hat auf basis dieses textes eine mehrdimensionale
performance erarbeitet, visualisierte texte oder versprachlichte bilder, eine
auf geistiges überleben in kärnten hinsteuernde „arche winkler“, ein dach für suchende
und staunende…
in indien, in varanasi,
möchte ich am liebsten leben,
weil ich dort oftmals,
wenn nur für ein paar sekunden,
das gefühl hatte,
noch, aber trotzdem nicht auf der
welt zu sein
und noch nach meinem tod einem leben
beizuwohnen,
das ich nie geführt habe im indischen
varanasi,
wo ich nicht verzweifle, wenn ich
durch die slums gehe,
denn auch ich bin stark genug,
um ertragen zu können, was den
anderen zustößt.
außerdem steht mir niemand im wege,
alle, die vor mir gestorben sind,
habe ich überlebt.
das
klagenfurter ensemble dankt josef winkler für sein vertrauen
der totenacker, das knochengerüst, der herr der genagelten knochen,
staub und asche zwischen den zehen der kinder gehen auf der bühne eine
totentanzende symbiose mit dem prallen leben, aber auch mit einer berührenden,
verletzlichen zärtlichkeit, mit der die mutter drei, vier lorbeerblätter ins szegedinergulasch
gibt, ein. zwischen all dem finden sich lachmuskelreizende texte der französischen
surrealisten über sexualität, skurril gezeichnete alltagsgeschichten, wenn etwa
der onkel hans aus klagenfurt, vollends dem alkohol verfallen, im blaugestreiften pyjama über den neuen platz
torkelt und dem lindwurm, dem falschzeichen klagenfurts, die doppelliterflasche
rotwein auf den schädel wirft und sich dabei an den wegspritzenden scherben
derart im gesicht verletzt, dass die wunden im unfallkrankenhaus genäht werden
müssen.
Das klagenfurter
ensemble wuchtet eine Winklermaschine auf die ARTECIELO-Bühne
„Benedikt XI. Du sollst den Herrgott nicht bei den Füßen
herabziehen“ oder „Wer das Brot untereinander schneidet, der schneidet dem
Herrgott die Fersen ab“ oder „Ein Stück von Josef Winkler“: klare, trockene
Anweisungen und Feststellungen, hinter denen sich der abgründige Gedankenkosmos
des in Kamering geborenen und in Klagenfurt lebenden, in den letzten
Jahren mit allen großen deutschen und
österreichischen Literaturpreisen
ausgezeichneten Shootingstars des deutschen Buchmarktes auftut,
beherrschen den Titel der neuesten
Theaterproduktion des klagenfurter
ensembles. Josef Winkler, der „Autor des Kälberstricks“, hat in seinem 2003
erschienenen Prosaminiaturband „Leichnam, seine Familie belauernd“ Texte von
beklemmender Existenzbetroffenheit und wahnwitzigem Provinzweltgelächter
vorgelegt, Bilder des alltäglichen Irrsinns, sei es in seiner Heimat oder im
indischen Varanasi, die er in minutiöser Filigranarbeit aus seinen in
unzähligen schulheftartigen Notizbüchlein festgehaltenen Beobachtungen und Notizen
herausdestilliert. Diese Bilder sind es, die der Kärntner Bühnenbildner und
Regisseur Gerhard Fresacher mit dem klagenfurter ensemble in eine vielschichtige,
von jeder plakativ-vordergründigen Effekthascherei befreiten Theaterperformance
transformiert hat, unterstützt von jungen hungrigen Theaterleuten, deren
gemeinsames Ziel es ist, dem
österreichischen Theater den sich im Laufe der letzten Jahre angesammelten
Staub aus den Kostümen zu klopfen.
„Bei den Toten bin ich gerne, sie tun mir nichts und sind
auch Menschen“
Der Totenacker, das Knochengerüst, der Herr der genagelten
Knochen, Staub und Asche zwischen den Zehen der Kinder gehen auf der Bühne eine
totentanzende Symbiose mit dem prallen Leben, aber auch mit einer berührenden,
verletzlichen Zärtlichkeit, mit der die Mutter drei, vier Lorbeerblätter ins
Szegedinergulasch gibt, ein. Zwischen all dem finden sich lachmuskelreizende
Texte der französischen Surrealisten über Sexualität, skurril gezeichnete
Alltagsgeschichten, wenn etwa der Onkel Hans aus Klagenfurt, vollends dem
Alkohol verfallen, im blaugestreiften
Pyjama über den alten Platz torkelt.
„Theater für Junge und Junggebliebene“
Kein Theater also für Operettenfreaks und Sektglas- und
Perlenkettenständer, sondern für ein aufgeschlossenes, kritisches Publikum ist
im ARTECIELO zu sehen, ein Abend, der polarisiert und der nicht in herkömmlichen
Kategorien zu beschreiben ist. Neugierig? Zu sehen noch bis zum 22. April (20
Uhr) im Artecielo, Kurandtplatz 1, Klagenfurt (zwischen steinener Brücke und
Autobahnauffahrt). Tickethotline 0664 5696384.
Klagenfurter Monatsmagazin 04. 06.2006
Biografien:
Josef Winkler (* 3. März 1953 in Kamering/Kärnten) ist
österreichischer
Schriftsteller.
Josef Winkler wuchs in
Kärnten auf und lebt in Klagenfurt. 1973-1982
arbeitete er in der Verwaltung der Klagenfurter Universität für Bildungswissenschaften,
war ab 1979
freigestellt. Josef Winkler organisierte zu dieser Zeit einen Literarischen
Arbeitskreis in Zusammenarbeit mit Alois Brandstetter und gab die Literaturzeitschrift
Schreibarbeiten heraus. Im Jahr 1979 gewann er mit dem Roman
Menschenkind den zweiten Preis beim Ingeborg-Bachmann-Preis, der damals Gert
Hofmann zugesprochen wurde. Das Buch bildet gemeinsam mit den folgenden Romanen
Der Ackermann aus Kärnten und Muttersprache die Trilogie Das
wilde Kärnten.
In Josef Winklers Texten
spielt die Homosexualität eine bedeutende Rolle - Winkler
beschreibt, ausgehend von autobiografischen Erfahrungen, die Schwierigkeiten
homosexueller Lebensformen in einer patriarchal und katholisch geprägten Welt.
Josef Winkler stellte für sein Werk den Bezugsrahmen zu anderen Schriftstellern
her, mit denen ihn das zentrale Thema der (eigenen) Homosexualität verband,
darunter etwa Jean Genet und Hans
Henny Jahnn, wobei auch der expressionistisch geprägte literarische Ausdruck
faszinierte. Zuletzt erschien im Jahr 2003 der aus 80
Prosaminiaturen bestehende Band Leichnam, seine Familie belauernd. Josef
Winkler ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung und der Interessensgemeinschaft
österreichischer Autorinnen & Autoren.
Auszeichnungen
Winkler ist Träger mehrerer
Literaturpreise, unter anderem:
Veröffentlichungen
- Menschenkind, Suhrkamp, 1979
- Der Ackermann aus Kärnten, Suhrkamp, 1980
- Muttersprache, Suhrkamp, 1982
- Der Leibeigene, Suhrkamp, 1987
- Friedhof der bitteren Orangen, Suhrkamp, 1990
- Das Zöglingsheft des Jean
Genet,
Suhrkamp, 1992
- Das wilde Kärnten, Suhrkamp, 1995
- Domra, Suhrkamp, 1996
- Wenn es soweit ist, Suhrkamp, 1998
- Natura
Morta. Römische Novelle, Suhrkamp, 2001
- Leichnam, seine Familie belauernd, Suhrkamp, 2003
Gerhard Fresacher
geboren 1972
in klagenfurt
90
zeichenuntericht bei paul kulnig
91
matura
wohnatelier
in wien ausstellung b fam. hummel ,wien
94-96
akademie der
bildenden künste wien prof. wonder + kleber
regieunterricht
bei paulus manker
design für
lokaleinrichtungen (american bar in pörtschach)
konzept +
design + künstlerische leitung ballhaus klgft.
mastermind
von medien u bühnenexperiment “die grosse richard höllerbauer-show”
96
filmausstattung
für virgil widrich (comercials u “heller
als der mond” spielfilm)
thomas
woschitz “der blindgänger”
eventdesign
für lisa film , hugo boss, ackern
97
superheroes theaterstück mit walter grill verfasst
bühnen-bildner
“transporter” graz , regie michael schilhan
“kap der guten hoffnung”,ke-theater, regie eva
brenner
98
“der
schwebebalken des nebelschneiders”klgft, regie bernhard semmelrock
design
infotainment stand olympia 2006
99
stadttheater
klgft “frühlingserwachen” regie alexander kubelka
volkstheater
wien nashörner regie michael schilhan
2000
düsseldorfer
schauspielhaus “minna v barnhelm” regie a. kubelka
volkstheater
wien “komödie der irrungen” regie a. kubelka
2001
“fräulein
julie” düsseldorfer schauspielhaus regie
a. kubelka
artfair
moskau “superheroes” aktion in der galerie x
“kärntentreu”
reg. a. kubelka förderungspreis des landes kärnten
eilnahme an
“coming out” künstlerhaus klgft
2002
“bartleby”
düsseldorfer schauspielhaus regie a. kubelka
“der grosse
gatsby” heidelberg regie a. kubelka
„ woyzek”
volkstheater wien regie a. kubelka
“ego-shooter”
installation für die wiener festwochen im stadtpark
“mondwelt”
regie + bühne ke-klgft
“austrian
psycho” wiener rabenhof theater regie georg staudacher
2003
hinter dem
spiegel” stadttheater heilbronn musical regie georg staudacher
coverdesign”songs for the exhausted” naked lunch
kommunikation
der schweine” regie bernd liepold + ute liepold-mosser ke klgft
in the penal
colonie”oper regie michael schilhan ke hypo alpe-adria-center
hunger 2015
“theaterstück regie und konzeption
2004
“harmonie” reg georg staudacher wiener festwochen, bühnenbild
oberspielleiter Kunsthaus SIRIUS
2005
„tarmerlan“
von michel deutsch, ke im hungerjahr, regie
Bühnenbilder
am Theater am Neumarkt Zürich, Thaliatheater Hamburg
Konzepte: hotel
ben hur ballhaus theaterstücke
Das Klagenfurter Ensemble ist mit "Wozzek oder Das Leben liebt die Klinge" ab 21. November 2006 wieder in Graz zu sehen.
mehr Lesen
|

|








|