Werner Fenz
Die Formen des kollektiven Erinnerns machen nur
Sinn als ins Bild, in die Handlung gesetzter Ausdruck der Zeit, in der erinnert
werden will. Mit der Verwendung überkommener Muster und Schemata fände Robert
Musils bereits 1936 geäußertes Unbehagen, dass Denkmäler gegen Aufmerksamkeit
imprägniert und daher unsichtbar seien, ihre perpetuierte Bestätigung.
Nicht erst die jüngere und jüngste
KünstlerInnen-Generation arbeitet auch auf der Ebene des Gedenkens an
reflexiven und die Aktivität des Publikums mit einbeziehenden Zeichensetzungen.
Diese erweitern das traditionelle künstlerische Vokabular um andere
Sprachformen, die in einem immer wieder von neuem eingeleiteten Prozess der
Auseinandersetzung eingeübt werden wollen.
Wenn Wolfgang Becksteiner an den bedeutenden
steirischen Kulturpolitiker Hanns Koren erinnert, dann rückt er mit dem
reflektierten Begriff des Archivs einen wesentlichen Eckpfeiler der Informationsgesellschaft
in den Mittelpunkt seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Entscheidend dabei
ist, dass die gewählte Form der Installation sich nicht auf ein
vordergründiges, statisches Schema herunter brechen lässt. So stehen die als
Speicher im Raum angeordneten Kisten für jene inhaltliche und zeitliche
Schnittstelle, an der die am Ort der Archivierung in einzelnen Kapiteln
gewogene Information in ein Abstraktum übergeführt wird: Die Leere der
präsentierten realen Behältnisse wird über den konkreten Anlass hinaus zu einem
virtuellen Stellvertreter dessen, was uns tagtäglich an Nachrichten und
Informationen erreicht oder von uns bewusst abgefragt und sogar aufgelistet
werden kann. Welches Wissen wir aus den überbordenden Quellen ziehen, darauf
geben weder Entlehnstatistiken noch die Zugriffslaufwerke Auskunft.
In der elften Kiste verwehrt Becksteiner die
unmittelbare visuelle Information, um die ausführlich recherchierten und
montierten Ausschnitte aus dem Leben Hanns Korens nicht einem bequemen Voyeurismus
preiszugeben; in der Toninstallation verdichten sich die akustischen
Überlagerungen, ohne Einzelheiten nachvollziehen zu können, zu einem massiven
und gewichtigen Klangkörper einer offensiven politischen Laufbahn.
Mit den getroffenen künstlerischen Entscheidungen
fällt die Ebene einer „pflichtgemäßen“ Dokumentation aus dem Raster möglicher
Erwartungshaltungen – sie wird, nicht zuletzt kongenial zu den Entscheidungen
der kulturpolitischen Persönlichkeit, durch intelligente Untersuchungen der
Kontexte, die dezidiert von der Gegenwart der durch Informationsüberfluss
geprägten Gesellschaft ausgehen, ersetzt.
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