Peter Gerwin Hoffmann
Noch
in Styrian Window, dem inzwischen
zehn Jahre alten Standardwerk zur steirischen Gegenwartskunst, ordnete Peter
Weibel den 1945 in Gröbming geborenen Peter
Gerwin Hoffmann einer ersten Generation von Medienkünstlern in den 1970er
Jahren zu. Wenngleich seine Arbeiten seit den 1960er Jahren stark von der
Malerei geprägt sind und auf den ersten Blick oft an serielle Malerei der Pop
Art erinnern mögen, war die sie für Hoffmann doch in erster Linie Mittel zur
kritischen Untersuchung von Wahrnehmungs- und Rezeptionsverhalten gegenüber öffentlichen
Bildern respektive Mittel, das Vermögen des Genres selbst auszuloten und unter
konzeptuellen Bedingungen weiter zu führen.
Die
Malerei Peter Gerwin Hoffmanns war und ist in diesem Sinn niemals als
Endprodukt eines künstlerischen Prozesses zu verstehen, vielmehr liefert das
methodische Vorgehen Zustandsansichten persönlicher Entwicklung im Umfeld
politisch-gesellschaftlicher Tendenzen und Interpretationshaltungen. Konsequent
verfolgte er seine Untersuchungen, wie Wirklichkeiten abzubilden oder neu zu
konstruieren seien, im Bereich Fotografie, Film und Video, aber auch durch
gesellschaftliche und politische Intervention.
Die
Neue Galerie Graz bringt nun mit einer von Günther
Holler-Schuster kuratierten Personale die erste umfassende Präsentation des
gesamten Werkes malerischer und grafischer Arbeiten, konzeptueller Objekte und
Installationen, Video und dokumentarischem Material seit den 1960er Jahren bis hin
zu neuesten Arbeiten, die etwa in einer auf spezieller Software basierten Raum-Projektion
und -Installation wiederum auf malerische Verfahren rekurriert: Rauschen (2006) projiziert
Lebensmenschen, Zeichen, Gesichtszeichen und Farbspektren aus dem biografischen
Kontext des Künstlers in variabler Geschwindigkeit in den Raum, vergleichbar
dem eigentlich informationsfreien Weißen Rauschen. Dem gegenüber steht ein
malerisches Arbeits- und Erkenntnisprinzip mit Beispielen aus den Jahren 1973
und 1974. Unter dem Werktitel Bild nach
einem Bild untersuchte Hoffmann abstrahierende Prozesse einerseits in der
Übersetzung und Weiterführung des Motivs - Medienbilder von Hanns Koren, Richard
Nixon oder Bruno Kreisky -, andererseits die persönliche Wahrnehmung und
Erinnerung des Motivs und des jeweils in einer Reihe danach entstandenen
Bildes.
Was
ist die Kunst oder wofür steht sie, wenn sie von öffentlichen Institutionen
gerade nicht ausgestellt wird? Eine Fotoserie mit dem Titel Kunstalltag (2006) zeigt das Bilddepot
der Neuen Galerie, darin die in Schutzfolien aufbewahrten Objekte – der
zeitlich überwiegende Normalzustand bei Kunstobjekten. Was ist Bildträger und
was Bildinhalt, ist der ironische Ansatz einer Reihe von Ansichtspostkarten,
die wiederum Briefmarken mit Bildmotiven transportieren – oder in Wirklichkeit
umgekehrt? Etliche Objekte der Ausstellung sind in einem Übergangsbereich
zwischen Kunstwerk, Aktion und Dokumentation anzusiedeln.
Die
Ausstellung Malerei – Bild – Handlung zum
Werk Peter Gerwin Hoffmanns ist auch Beitrag der neuen Galerie zum Hanns Koren Bedenkjahr 2006. Peter
Gerwin Hoffmann hat den Kulturpolitiker in seiner Arbeit 16 Reflexionen von einem Bild, das für Landesrat Koren wirbt (1973)
dargestellt. Ein wesentlicher Teil der künstlerischen Karriere Hoffmanns entwickelte
sich während dessen Amtszeit und beide stehen für eine große Zeit des
Aufbruches in Graz, in der ein sehr offenes, gegenüber dem Experiment in Kunst
und Wissenschaft zunehmend positiv gesinntes Klima seinen Ausgang nahm.
Malerei – Bild – Handlung in der Neuen Galerie Graz,
Sackstraße 16, ist bis zum 19. November zu sehen. Gleichzeitig zeigt auch Graz Kunst der Werkstadt Graz Arbeiten
von Peter Gerwin Hoffmann. Weitere Informationen unter www.neuegalerie.at
Wenzel Mraček
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Kreisky, 1972 (Privatbesitz, Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)
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Peter Gerwin Hoffmann
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Peter Gerwin Hoffmann in der Installation Rauschen, 2006
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Drei Läuferinnen, 1971, (Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)
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Nahost Studie in expressiver Manier, 1968 (Privatbesitz, Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)
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